ANNA: Die hohe Kunst des Weglassens

Sollte ich über die Basler Karikaturistin ANNA (Anna Regula Hartmann) mit ihren Ausdrucksmitteln berichten, würde ich zuerst nur beobachten und dann weglassen müssen, bis nur einige charakterisierende Linien bleiben dürften. Ich werde mich aber nicht mit Worten aufs Glatteis der totalen Minimierung begeben, in der die Würze des guten Witzes und der Leichtigkeit liegen [sic]. Wer ANNAs hohe Kunst der pointierten Reduktion kennenlernen möchte, soll sich ihre Bücher beschaffen [Hinweis auf Bücher und vergangene Ausstellung]. Man kann ihren unverwechselbaren Federstrich auch häufig im Nebelspalter oder in der Schweizerischen Ärztezeitung, gelegentlich in der NZZ, BaZ, Süddeutschen Zeitung oder in der FAZ finden. «Für mich als Karikaturistin sind Zeitungen meine ganzjährig geöffneten Galerien», sagt ANNA heute. Bereits dieser Name, mit dem sie unterschreibt, hält sich als Palindrom, also von vorne und hinten lesbar, in der Kürze und Klarheit an ihre Ausdrucksprinzipien.

Ich staune über die verkürzte Anekdotenform, die gelegentlich mit einem bildlichen oder sprachlichen, aus dem Kontext herausgerissenen Zitat arbeitet. Die Cartoons sind frech, aber niemals bösartig. Sie verblüffen in ihrer Zielsicherheit, wirken aber nicht verletzend. Die Reduktion wendet ANNA sogar in der Wahl der eigenen Frisur an, der Igelschnitt der vollen, gewellten Haare lässt den wachen Gesichtsausdruck noch besser zur Geltung kommen.
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